Armin Preis Management Consulting

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Coaching für Führungskräfte im Top Management

Interview für einen Führungskräfte-Fokus in der Tageszeitung "DiePresse.com"

Wie unterscheiden sich die Fragestellungen und Problemstellungen von Führungskräften im Top Management von anderen Coaching-Kunden?

arminPreis: Wenn wir von Top Management sprechen, sprechen wir von großen Unternehmungen mit mehreren Führungsebenen bei denen das Top Management zumeist aus mehreren Mitgliedern des Vorstandes oder der Geschäftsführung und damit aus einem Team besteht. Durch diese Rahmenbedingung ergeben sich Überschneidungen mit klassischen Coaching-Themen wie Konfliktmanagement, Verhandlungsführung und zielorientierter Kommunikation. Die Vermutung, die einem in den Sinn kommen könnte, dass im Top Management viel mehr die Verantwortung für andere Menschen im Vordergrund steht, ist zwar aus vermeintlich objektiver Sicht einleuchtend, in der persönlichen Empfindung der einzelnen Klientinnen, jedoch nicht unbedingt größer als bei anderen Menschen.

Wie unterscheidet sich auf der anderen Seite Ihre Arbeit als Coach mit Führungskräften im Top Management von jener mit anderen Kunden?

Preis: Meiner persönlichen Erfahrung nach, ist die Arbeit mit Führungskräften vor allem im Bereich mentaler Strategien und Abläufe oft eine besonders rasche und exakte. Andererseits ist es für manche Coachees aus dem Management schwieriger, Zugang zu eigenen teils unbewussten Bedürfnissen und Emotionen zu finden. Diese Erfahrungen beschreiben aber keineswegs allgemeine intrinsische Eigenschaften von Führungskräften. Es gibt auch besonders intuitive oder emotionale Menschen in dieser Berufsgruppe und genau das herauszufinden und darauf einzugehen bzw. damit umzugehen ist die Kunst eines guten Coachs.

Wann sollte eine Top Manager Coaching in Anspruch nehmen - gibt es so etwas wie "Alarmzeichen"?

Preis: Die Alarmzeichen sind im Top Management nicht anders als bei allen andern Menschen. Jedoch sind Menschen im Top Management in vielen Fällen stressresistenter durch optimierte mentale Strategien oder glauben es zumindest zu sein und verdrängen den anhaltenden Stress im beruflichen Umfeld. Allerspätestens, wenn sich erste psychosomatische Symptome oder ein ungewöhnlicher Leistungsabfall zeigen, sollte die Alarmglocke auch in diesem Berufsfeld läuten. Auf lange Sicht muss jedoch präventiv die Sensibilität für die eigenen, individuellen Warnsignale auf psychischer und sozialer Ebene gestärkt werden. Dies wäre auch ein typischer Fall für einen Coaching-Prozess, denn bevor Alarmzeichen im Berufsalltag erkannt werden können, muss bereits eine Sensibilisierung für die Wahrnehmung derselben stattgefunden haben.

Warum tut es aber auch prinzipiell jedem Top Manager gut, Coaching in Anspruch zu nehmen?

Preis: Es wäre wohl anmaßend - vor allem in meiner Funktion als Coach - allen Top Managern und Managerinnen zu empfehlen, regelmäßiges Coaching in Anspruch zu nehmen. Dennoch ist es besonders für diese Berufsgruppe unerlässlich, gewisse Zeiten und vor allem passende Methoden zur Selbstreflexion zu finden und wenn nötig auch regelmäßig einzusetzen. Coaching ist nur eine Möglichkeit dazu. Coaching ist jedoch im Besonderen dann angebracht, wenn der oder die Betroffene das Gefühl hat, dass die eigenen Reflexions- und Bewältigungsstrategien für gewisse berufliche Situationen nicht mehr zielführend sind.

Haben Sie als Coach durch die Banken- und Finanzkrise eine Änderung beim Führungsverhalten von Top Managern beobachtet?

Preis: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, da das Führungsverhalten von der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, des Unternehmens und des gesamten sozioökonomischen Umfeldes abhängt. Verhaltensänderungen einzelner Kundeninnen im allgemeinen und einzig auf die Finanzkrise zurückzuführen, ist meiner Meinung nach methodisch nicht möglich. Meine persönliche Intuition ist jedoch, dass sich die angesprochenen Änderungen abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung in nächster Zeit noch viel stärker ändern könnten, als sich das viele von uns vorstellen können.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Top Manager in Österreich?

Preis: In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, bewegen sich die Herausforderungen im Top Management von Schwerpunkt des normativen Managements, also der Vorgabe der Ziele, Werte, Visionen und Existenzgrundlagen des Unternehmens, stärker in Richtung operatives Management. Je mehr Unternehmen unter Druck kommen, desto stärker wird auch der Druck auf Vorstandsmitglieder und Mitglieder der Geschäftsführung, gute operative Ergebnisse zu erzielen. In unserer komplexen, vernetzten und aufgeklärten Welt reicht das alleinige Vermitteln von subjektiver Sicherheit in brisanten wirtschafltlichen Zeiten nicht mehr aus. Sowohl Mitarbeiter als auch Shareholder wissen, dass auch große Unternehmen abhängig vom extrem dynamischen Umfeld sind. Genau dadurch werden erfolgreiche operative Strategien für schwierige Zeite entscheidend. Der charismatische Topmanager als Alphatier wie er auch heute noch manchmal im Buche steht, ist also weder ein hinreichendes noch ein notwendiges Kriterium für Unternehmenserfolg. Klar ist jedoch auch, dass Charisma in Form von Authentizität, Kompetenz und Empathie eine wichtige Voraussetzung für Führungskräfte ist, einerseits weil eben besonders große Unternehmen nicht von Einzelpersonen, sondern von Top Management Teams geleitet werden, und andererseits weil die erfolgreiche Vernetzung mit der dynamischen Umwelt entscheidend ist. Genau die Bearbeitung von Themen wie Identität, Authentizität und Empathie kristallisiert sich immer wieder als Erfolgsfaktor im Coaching-Prozess heraus, wenn bereits viele der eigenen Problemlösungsstrategien von Kunden auf anderen Ebenen gescheitert sind.

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