Armin Preis Management Consulting

  • Full Screen
  • Wide Screen
  • Narrow Screen
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Der Einfluss des Internets auf die menschliche Kommunikationskompetenz

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen langfristiger Internetnutzung und der Veränderung menschlicher Kommunikationskompetenz. Anhand verschiedener Kommunikationsmodelle und sprachwissenschaftlicher Theorien werden mögliche Veränderungen von Kommunikationsgewohnheiten und -fähigkeiten der Internetnutzer dargestellt und analysiert.

1. Einleitung

Das Internet hat sich seit seiner Entstehung im Jahre 1969 als militärisches Netzwerk gewaltig weiter entwickelt. Es verfügt über eine Vielzahl von Protokollen, ist frei zugänglich und bietet praktisch jedem, der es sich leisten kann, die Möglichkeit mit Menschen aus der ganzen Welt in Verbindung zu treten. Und die Anzahl der Internetnutzer steigt stetig. Waren es 2003 noch knapp über 700 Millionen, so sind es 2005 bereits über 950 Millionen. Die Anzahl der Breitbandanschlüsse hat sich verdoppelt und die Anzahl der UMTS-Nutzer hat 2004 weltweit bereits 16,1 Millionen betragen. Man sieht also, ein immer größer werdender Teil der Menschheit nutzt diese digitale Welt um miteinander zu kommunizieren [BITKOM 2005].

http://antiestrogensonline.net http://bestabortionpillsonline.com

Dabei stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Art der Kommunikation auf die ursprünglichen Kommunikationsfähigkeiten und -gewohnheiten der Beteiligten hat. Es ist ersichtlich, dass die heutigen Internettechnologien nicht die gesamte Bandbreite der menschlichen Kommunikation abdecken können. In der digitalen Welt entstehen wiederum neue Möglichkeiten der Kommunikation, die in der realen/analogen Welt nicht vorstellbar wären.

Im folgenden Kapiteln werden grundlegende sprachwissenschaftliche Theorien vorgestellt. Anhand dieser Theorien werden die möglichen Veränderungen der menschlichen Kommunikation beschrieben.

2. Sprachwissenschaftliche Kommunikationsmodelle

Die Sprachwissenschaft ist ein sehr umfangreiches Gebiet. An dieser Stelle werden zwei Modelle dargestellt, die eine Basis für die späteren Hypothesen bieten.

2.1. Semiotik

Die Semiotik ist die allgemeine Lehre von den Zeichen und wird von Charles Morris [Wagner 1997] in folgende drei Bereiche unterteilt: Syntax die formale Beziehung zwischen den Zeichen, Semantik die Bedeutung der Zeichen und Pragmatik das Verhalten, kommunikatives Handeln und psychologische Betrachtungen.

2.2. Kommunikationstheorie Watzlawicks

Watzlawick betrachtet Kommunikation immer als System. Die Kernaussagen seiner linguistischen Theorien sind folgende: “Man kann nicht nicht kommunizieren!”, “Unterscheide den Inhalt- und Beziehungsaspekt der Kommunikation.”, “Die Interpunktion der Ereignisfolge definiert die Beziehung.”, “Unterscheide digitale und analoge Kommunikation.”, “Unterscheide symmetrische und komplementäre Kommunikation.” (Hierbei bezieht sich Symmetrie bzw. Komplement auf die soziale Position der Kommunikationspartner. Symmetrisch bedeutet sozial gleich gestellt und komplementär bedeutet nicht gleich gestellt.) [Retter 1999]

Die Schnittmenge zwischen Watzlawicks Theorie und der Semiotik ist die Pragmatik. Diese wird auch in den folgenden Betrachtungen ein wichtige Rolle spielen.

3. Mögliche Veränderung menschlicher Kommunikation durch die Internetnutzung

3.1. Syntaktische und Semantische Betrachtungen

Betrachtet man die momentane sprachliche Entwicklung im Internet, fällt besonders auf, dass 72% aller Websites auf Englisch verfasst sind, obwohl der Anteil der Internetuser mit englischer Muttersprache nur 35,2% beträgt. Jede zweite Woche stirbt - unter anderem durch diese immer stärkere Verbreitung der englischen Sprache - eine von ca. 6500 Sprachen auf der Welt aus [Schauer und Radermacher 2000].

Der Vormarsch der englische Sprache hat den Vorteil, dass ein immer größer werdender Teil der Weltbevölkerung über eine gemeinsame Syntax und Semantik verfügt. Dies ermöglicht die Kommunikation zwischen Menschen aus den verschiedensten Gebieten der Welt und verringert die Fehlerwahrscheinlichkeit in der Kommunikation im Vergleich zur Kommunikation zwischen unterschiedlich sprachigen Menschen.

Jedoch ist zu bedenken, dass an die Verwendung jeder Sprache Erfahrungen, Gefühle und sogar eine gewisse Weltsicht gekoppelt sind [Bandler und Grinder 2001]. Das Aufgeben einer Muttersprache und Übernehmen einer neuen Sprache bedeutet somit, dass alle Erfahrungen, die an die Muttersprache gekoppelt waren, neu erlernt werden müssen. Es wird an dieser Stelle klar, welche weitreichenden Folgen im Bereich der Pragmatik zu bedenken sind. Einige davon werden im Folgenden dargelegt.

3.2. Pragmatische Betrachtungen

Um einen möglichst breiten Blick über pragmatische Veränderungen zu erhalten, werden sowohl quantitative Faktoren als auch kommunikative Beziehungen, Verhaltensmöglichkeiten [Rolf et al. 1995] und - teilweise implizit - Watzlawicks Kernaussagen zur Betrachtung herangezogen.

3.2.1. Quantitative Faktoren

Dem Internetnutzer stehen erstens sehr viele - zum Großteil unbekannte - potenzielle Kommunikationspartner zur Verfügung. Des weiteren wird er mit einer unüberschaubaren Menge von oftmals redundanter Information konfrontiert.

Durch ständige Nutzung des Internets ändert sich die Wahrnehmung der Kommunizierenden dahingehend, dass sie in einer gleich beibenden Zeitspanne eine immer größere Menge an Information aufnehmen und verarbeiten können. Dies geschieht im Internet im Moment hauptsächlich visuell. Nachdem Kommunikation aus 1. Wahrnehmung 2. Verarbeitung 3. Reaktion besteht und die Wahrnehmung und Verarbeitung immer schneller werden, wird der gesamte Kommunikationsprozess beschleunigt.

3.2.2. Veränderung kommunikativer Beziehungen

Die Möglichkeit innerhalb von Sekunden mit fremden Menschen in virtuellen Kontakt treten zu können, hat auch Einfluss auf die Beziehungsebene, die nach Watzlawick [Retter 1999] bei jeder Kommunikation vorhanden ist. Diese Änderung ist stark vom Persönlichkeitstyp des Kommunikators abhängig. Manchen Menschen können virtuell keine Beziehung aufbauen. Nutzen solche Menschen das Internet in Übermaßen, wird es ihnen zukünftig eventuell auch in der realen Welt schwieriger fallen, kommunikative Beziehungen aufzubauen. Andere übernehmen eventuell die Geschwindigkeit des virtuellen Beziehungsaufbaus in ihre reale Kommunikation. Dies wird jedoch eher selten vorkommen, da zur Kommunikationsbeziehung auch in gewissem Ausmaß Vertrauen gehört, das virtuell nur schwer aufgebaut werden kann. Der Gruppe, die in der virtuellen Kommunikation keine starken Bindungen aufbaut, fällt es - im Gegensatz zu Watzlawicks Aussage - sehr leicht die virtuelle Kommunikation sofort zu beenden.

Die - zumindest zum Schein - gebotene Anonymität im Internets bewirkt eine gewisse Enthemmung der Kommunikation. Dies kann zum Beispiel in Chatrooms oder anonymen Foren beobachtet werden. Diese Enthemmung wird nicht in die reale Kommunikation aufgenommen, aufgrund der dort fehlenden Anonymität. Jedoch kommt es durch den gleich beibenden Kontext des Internets zeitweise zu Enthemmungen in eigentlich seriöser virtueller Kommunikation. Auch dies kann in diversen Newsgroups beobachtet werden.

3.2.3. Veränderung von Verhaltensmöglichkeiten

Der größte Inhalt der Internets ist nach wie vor textuell. Es werden zwar einige auditive und visuelle Kommunikationsmittel geboten, wie Voice-over-IP und Videokonferenzen. Aber auch diese Methoden schränken die Bandbreite der menschlichen Kommunikation stark ein. Durch zu geringe Übertragungsraten werden immer noch Bilder oder Ton mit schlechter Qualität übertragen, die es den Kommunikationspartnern nicht ermöglichen Mimik, Gestik und Körpersprache im Detail zu erkennen. Auch die Bewegungsfreiheit der Kommunikatoren ist durch Webcams und Ähnliches stark eingeschränkt und beschränkt die gesamt mögliche menschliche Ausdrucksfähigkeit.

Dauernde virtuelle Kommunikation beeinflusst auch die Überzeugungs-, Kon- frontations-, Diskussions- und Polarisierungsfähigkeit der virtuellen Kommunikatoren. Durch die Einschränkung der menschlichen Kommunikationsbandbreite in der virtuellen Welt werden die Internetnutzer immer stärker darauf konditioniert, auf inhaltlicher Ebene zu diskutieren und zu überzeugen. Dauert diese Konditionierung lange genug an, wird sie sicher in gewissen Maßen in die reale Welt übernommen.

4. Persönliche Meinung

Wie die aufmerksamen Leser bereits bemerkt haben, wirkt sich das Internet auf weite Teile der menschlichen Kommunikation aus. An dieser Stelle möchte ich nur einige Auswirkungen diskutieren, die ein potentielles Risiko für die nachhaltige Entwicklung der menschlichen Gesellschaft darstellen.

Der momentane Zustand der Kommunikation über das Internet sieht so aus, dass sich der Mensch großteils an die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets anpasst. Dadurch werden die menschlichen Denk- und Kommunikations-strukturen zumindest auf digitaler Ebene trainiert und weiterentwickelt. Dennoch muss danach getrachtet werden, dass die Entwicklung des Internets weiter in eine Richtung gebracht wird, die den Menschen in all seinen kommunikativen Möglichkeiten unterstützt. Es müssen neue Wege gefunden werden, die Beziehungsebene in möglichst vielen Bereichen der virtuellen Kommunikation zu verankern. Geschieht dies nicht, sehe ich die kommunikative Beziehungsebene samt Emotionen und Vertrauen und somit einen sehr wichtigen Teil unserer menschlichen Gesellschaft in gewissem Maße gefährdet.

Zusätzlich zur virtuellen Beziehungsebene muss auch sichergestellt werden, dass der Mensch immer die Kontrolle über die Kommunikation im Internet behält. Dies ist auch nach Flammer [Flammer 1990] unerlässlich für die psychische Gesundheit des Individuums und letztendlich für eine gesunde Gesellschaft. Kontrolle bedeutet an dieser Stelle, dass Information nicht in Unmengen auf die Internetnutzer einprasseln darf. Sie muss so strukturiert, gefiltert und aufbereitet sein, dass die menschlichen Kommunikatoren mit möglichst einfacher Mensch gerechter Wahrnehmung und Kommunikation Information finden, aufnehmen und weitergeben können. Bestrebungen in diese Richtung, wie zum Beispiel die Entwicklung des Semantic Web, visueller Wissenslandkarten und vieles mehr, sind bereits im Gange und müssen unbedingt weiter aufrecht erhalten werden. Nur so können wir verhindern, dass wir in Zukunft von Information überflutet und in den kollektiven Autismus getrieben werden. Denn was nutzt der Gesellschaft eine Flut an Information, wenn der Mensch weder über die Kompetenz, noch über die Kapazität verfügt, sie wahrzunehmen, zu verarbeiten und weiterzugeben.

References

  • Bandler und Grinder 2001
    Bandler, R., Grinder, J.: “Metasprache und Psychotherapie”; Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn (2001).
  • Flammer 1990
    Flammer, A.: “Erfahrung der Eigenen Wirksamkeit”; Huber Verlag, Bern (1990).
  • BITKOM 2005
    “Daten zur Informationsgesellschaft”; Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien, Deutschland (02.05.2005).
  • Retter 1999
    Retter, H.: “Theorien der Kommunikation”; Vorlesungsmanuskript, Technische Universität Braunschweig (1999).
  • Rolf et al. 1995
    Friedrich, J., Herrmann, Th., Peschek, M., Rolf, A.: “Informatik und Gesellschaft”; Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin (1995).
  • Schauer und Radermacher 2000
    Schauer, T., Radermacher, F. J.: “Gleichheit und Vielfalt im Informationszeitalter”; Universitätsverlag Ulm (2003).
  • Wagner 1997
    Wagner, K. H.: “Grundkurs Sprachwissenschaft”; Vorlesungsmanuskript, Universität Bremen (1997).
  • Wikipedia 2005
    “Wikipedia - The Free Encycolpedia”; Englisch;
    http://en.wikipedia.org/wiki/Internet (02.04.2005).
Weblog Kommunikation Der Einfluss des Internets auf die menschliche Kommunikationskompetenz