Armin Preis Management Consulting

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Gesellschaftliche Implikationen sinkender Privatsphäre durch Data-Warehousing und -Mining

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Auswirkungen von vermehrtem Datawarehousing und -mining auf die menschliche Privatsphäre und den damit verbundenen gesellschaftlichen Implikationen. Dabei werden sowohl mögliche Auswirkungen auf Individuen, als auch auf globale Organisationen dargestellt und diskutiert.

1. Einleitung

Durch die globale Vernetzung und eine steigende Anzahl von Interakteuren fällt in verschiedenen digitalen Netzen eine stetig größer werdende Datenmenge an. Alleine 2004 hat jeder Mensch durchschnittlich 333 Megabyte Daten produziert [McKinsey 2004].

Vor allem große Unternehmen aus dem Bereich der staatlichen Verwaltung, Medizin und Wirtschaft haben die Relevanz von Information und dem dazugehörigen Kontext für sich erkannt. Als Datawarehouses sammeln, strukturieren und speichern sie Daten aus unterschiedlichen Quellen, um sie für sich zu nutzen [Wikipedia - DWH 2005].

Um den Nutzen der gesammelten Daten zu maximieren, werden verschiedenste Methoden aus dem Bereich des Datamining verwendet. Mittels künstlicher Intelligenz, neuronalen Netzen, Mustererkennung und Artverwandtem, wird neues Wissen aus den den gesammelten Daten extrahiert [Wikipedia - DM 2005].

Diese Methoden reichen einerseits zum Vorteil der Datensammler, ziehen andererseits aber auch Effekte auf die Gesellschaft nach sich. Besonders die Privatsphäre des Individuums wird durch fortschreitendes Datawarehousing und Knowledgeretrieval einer beträchlichen Veränderung unterzogen.

In den folgenden Kapiteln wird der Zusammenhang zwischen Datawarehousing und -mining und der individuellen Privatsphäre dargestellt und anhand soziologischer Theorien ausgewertet.

2. Privatsphäre

2.1. Definition von Privatsphäre

Die Privatsphäre ist ein Begriff der sich historisch stark gewandelt hat. Zu den Bereichen der territorialen und körperlichen Privatsphäre, welche schon lange ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Wertesystems waren, sind durch die Mutation der menschlichen Gesellschaft zu einer Informationsgesellschaft, die Bereiche der Informations- und Kommunikationsprivatsphäre in den Mittelpunkt gerückt [Privacy International 2003].

2.2. Zusammenhang zwischen Datawarehousing und Privatsphäre

Die Informations- und Kommunikationsprivatsphäre werden durch Datawarehousing und -mining beeinflusst und sind somit essentiell für die folgenden Betrachtungen.

Ein großer Teil der menschlichen Kommunikation, die über digitale Systeme läuft wird gespeichert. Durch die wachsende Nutzung dieser Systeme wird auch die gesammelte Datenmenge über jeden Kommunikator immer größer.

Zusätzlich wird durch Datamining neue Information über einzelne Kommunikatoren und deren Interaktion gewonnen. Die Privatsphäre des Individuums wird also nicht nur dadurch eingeschränkt, dass explizite Information über es gesammelt und verwendet wird. Auch implizite Information, die vom Bewusstsein des Individuums oder vom kollektiven gesellschaftlichen Bewusstsein möglicherweise noch gar nicht wahrgenommen wurden, können den Dataminern bereits bekannt sein.

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Man sieht also, dass die Privatsphäre des Individuums selbst ohne neuen Informationsinput durch Knowledge Retrieval weiter eingeschränkt werden kann.

3. Mögliche Gesellschaftliche Implikationen

An dieser Stelle werden mögliche gesellschaftliche Implikationen der eben beschriebenen Zusammenhänge im Individual- und Organisationskontext dargestellt, sowie Chancen und Risiken in verschiedenen Domänen aufgezeigt.

3.1. Veränderungen auf der Individualebene

Eine Grundvoraussetzung für die psychische Gesundheit des Individuums und damit auch der Gesellschaft ist die fortwährende Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse [Grawe 2004].

Eines dieser Grundbedürfnisse ist das Bedürfnis nach Selbstschutz. Durch die beschriebenen Technologien wird die Privatsphäre des Menschen verkleinert und die Transparenz menschlicher Lebensweisen erhöht. Diese Transparenz macht den Menschen angreifbar und das Verlangen nach Selbstschutz kann vom Individuum teilweise nicht mehr befriedigt werden.

Ein weiteres wesentliches Bedürfnis ist das nach Kontrolle. Durch das Faktum, dass Datensammler Information über das Individuum anhäufen, und diese Daten - unter gewissen gesetzlich nicht immer eindeutigen Vorgaben - für ihre Zwecke nützen und an dritte weitergeben können, verliert der einzelne Mensch die Kontrolle über den Einblick der Gesellschaft in sein Leben.

Die eben beschriebenen Bedürfnisse sind Teil des vorrangigen Ziels der menschlichen Gesellschaft, dem Überleben. Daraus wird ersichtlich, dass die Einengung der individuellen Privatsphähre durchaus gewichtige Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hat.

3.2. Veränderungen auf der Organisationsebene

Organisationen übernehmen großteils die Rolle der Datensammler und gewinnen dadurch in der momentanen Wissensgesellschaft an Macht. Diese Macht entsteht durch die Abhebung der Datensammler von der Masse aufgrund ihr gesammeltes Wissen [Canetti 1980] und ist ein zentrales Thema im Bezug auf organisatorische Veränderungen durch Datawarehousing und -mining.

Nach E. Cannetti entsteht Macht unter anderem durch Frage und Antwort. Der Fragende gewinnt an Macht während der Befragte durch den Antwortzwang unterworfen wird. Im Gegensatz zum Datawarehousing wird im Bereich des Datamining die Frage nicht mehr direkt an das zu erforschende Individuum gestellt, sondern mittels Auswertung der bereits vorhandenen Daten beantwortet.

Es wird an dieser Stelle erkenntlich, dass die Datensammler stetig Macht an Individuen ausüben können. Dadurch kann bei Individuen jederzeit das Gefühl der Einschränkung des Selbstschutzes auftreten. Wird der Druck auf die Individuen zu groß, steigt die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Fluchtmasse [Canetti 1980]. Dies bedeutet eine beinahe plötzliche Veränderung unserer Gesellschaft in eine neue Richtung. Solche ruckartigen systemdynamischen Veränderungen werden auch immer wieder bei mathematischen Systemsimulationen beobachtet und können im Nachhinein kaum beeinflusst werden. Die Richtung der Wandlung kann an dieser Stelle nicht vorausgesagt werden. Es besteht jedoch die Gefahr, des Zusammenbruchs großer Teile der informationstechnolgischen Wirtschaftsbereiche.

3.3. Chancen und Risiken in verschiedenen Domänen

Eine besonders kritische Domäne, in der beschriebene Technologien die menschliche Privatsphäre einschränken, ist der Konsumbereich. Unternehmen setzten Alles daran, ihre Gewinne auszureizen und die Rücksichtnahme auf die Privatsphäre der Konsumenten basiert im Moment nur auf Gesetzten die erst weiterentwickelt und an die Informationsgesellschaft angepasst werden müssen.

Im Gesundheitskontext hat die sinkende Privatsphäre besonders starke Auswirkungen auf das Individuum. Hier dürfen Daten keinesfalls an Dritte weitergegeben werden, ohne Einwilligung des Patienten. Denn Gesundheit bzw. Krankheit stellt einen der zentralsten Kernbereiche der menschlichen Privatsphäre dar.

Ein weiterer essentieller Bereich, ist der des Menschen als Element des Staates. Hier sind die Individuen - im Gegensatz zu anderen Kontexten - gesetzlich verpflichtet verschiedenste Daten an den Staat weiterzugeben. In Folge dessen sollte besonders in staatlichen Datenhäusern für die Gewährleistung der Sicherheit von gesammelten Daten gesorgt werden.

4. Persönliche Meinung

Wie ersichtlich wurde, haben Datawarehousing- und Dataminingtechnologien beträchtliche Auswirkungen auf die menschliche Privatsphäre und die gesamte Gesellschaft.

Dennoch, muss versucht werden, eine Balance zwischen den Zielen des Menschen als Individuum und denen unserer gesamten Gesellschaft zu finden. Vorranging sollte dabei die Befriedigung nachhaltiger individueller Grundbedürfnisse sein. Denn diese induzieren wiederum ein stabile Gesellschaft. Das größte Problem dabei ist jedoch die fehlende Entscheidbarkeit von Nachhaltigkeit.

Nichts desto trotz muss versucht werden, Wege zu finden, die es uns ermöglichen, unser Wissen mit Hilfe der beschriebenen Methoden weiter zu entwickeln. Hierzu ist es unerlässlich gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine wissenschaftliche Weiterentwicklung der Menschheit ohne allzu große Einengung der menschliche Privatsphäre gewährleisten.

Allerdings sollte immer der Mensch als Ganzes im Fokus unserer Entwicklungsziele bleiben. Es darf nicht dazu kommen, dass durch den Drang zur Vollständigkeit des Wissens [Bateson 1999] der Mensch auf seine Oberflächenstruktur [Bandler und Grinder 2001] reduziert wird. Dies würde dazu führen, dass ein weiteres Grundbedürfnis - nämlich das nach Individualität - unbefriedigt bliebe. Damit würde unsere momentan besonders nach Individualisierung strebenden Gesellschaft grundlegend geschwächt.

Abschließend möchte ich anmerken, dass das Finden eines Gleichgewichtes ein stetig fortwährender äusserst komplexer Vorgang ist, den niemand vorhersagen kann. Dennoch vertraue ich auf die Homöostase [Wikipedia - Homöostase 2005] der menschlichen Gesellschaft und bin gespannt darauf, in vielen Jahren auf die Veränderung unserer Privatsphäre und unserer gesamten Gesellschaft zurückzublicken, um hoffentlich feststellen zu können, dass die einzige Beschränkung unserer Welt, unsere limitierte Vorstellungskraft ist.

Literaturnachweise

  • Bandler und Grinder 2001
    Bandler, R., Grinder, J.: “Metasprache und Psychotherapie”; Junfermann Verlagsbuchhandlung, Paderborn (2001).
  • Bateson 1999
    Bateson, G.: “Ökologie des Geistes”; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main (1999).
  • Canetti 1980
    Canetti, E.: “Masse und Macht”; Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main (1980).
  • Grawe 2004
    Grawe, K.: “Neuropsychotherapie”; Hogrefe Verlag, Göttingen (2004).
  • McKinsey 2004
    “McKinsey Wissen 09”; Online Wissensmagazin, (13.06.2005).
  • Privacy International 2003
    “Privacy and Human Rights 2003”; Englisch;
    http://www.privacyinternational.org/survey/phr2003/overview.htm (13.06.2005).
  • Stanford 2005
    “Stanford Ecyclopedia of Philosophy”; Englisch;
    http://plato.stanford.edu/entries/privacy/ (13.06.2005).
  • Wikipedia - DM 2005
    “Wikipedia - The Free Encycolpedia”; Englisch;
    http://en.wikipedia.org/wiki/Datamining (13.06.2005).
  • Wikipedia - DWH 2005
    “Wikipedia - The Free Encycolpedia”; Englisch;
    http://en.wikipedia.org/wiki/Data_warehousing (13.06.2005).
  • Wikipedia - Homöostase 2005
    “Wikipedia - Die freie Enzyklopädie”;
    http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstregulation (19.06.2005).
Weblog Kommunikation Gesellschaftliche Implikationen sinkender Privatsphäre durch Data-Warehousing und -Mining